Elektroboiler oder Warmwasser-Wärmepumpe: was rechnet sich?
Unser Boiler im Keller ist zwanzig Jahre alt und heizt mit Strom. Sollen wir ihn einfach gegen einen neuen tauschen, oder gleich auf eine Warmwasser-Wärmepumpe gehen? Diese Frage kommt gerade oft, vor allem von Leuten, deren Heizung noch mit Öl, Gas oder Holz läuft und die das Warmwasser getrennt mit einem Elektrospeicher bereiten. Dazu kommen jene, die eine PV-Anlage am Dach haben und den Sommerstrom lieber in heißes Wasser stecken als ins Netz.
Die kurze Antwort
Wer Warmwasser direkt mit Strom erhitzt, zahlt für jede Kilowattstunde Wärme eine Kilowattstunde Strom. Eine Wärmepumpe holt den Großteil der Wärme aus der Umgebung und braucht dafür deutlich weniger Strom. klimaaktiv, die Klimaschutzinitiative des Bundes, empfiehlt in ihrem Ratgeber zur Heizungswahl deshalb ausdrücklich eine Warmwasser-Wärmepumpe oder eine thermische Solaranlage statt eines Elektroboilers. Beides spart laut Ratgeber Energie und laufende Kosten.
Ob sich der Umstieg für dich rechnet, hängt aber davon ab, wie viel Warmwasser ihr braucht, wo das Gerät stehen kann und was mit der Heizung in den nächsten Jahren passiert.
Wie viel Gewicht hat das Warmwasser überhaupt?
Mehr, als viele denken. Im Ratgeber von klimaaktiv steht, dass in unsanierten Bestandshäusern rund 15 bis 20 Prozent der Wärme auf das Warmwasser entfallen. In sehr gut gedämmten Häusern, etwa Niedrigenergie- oder Passivhäusern, ist der Bedarf für Warmwasser ungefähr so groß wie der für die Raumheizung. Je besser das Haus gedämmt ist, desto mehr lohnt sich also ein Blick auf die Warmwasserbereitung.
Was eine Warmwasser-Wärmepumpe anders macht
Eine Warmwasser-Wärmepumpe ist meist ein Speicher mit aufgesetzter kleiner Wärmepumpe. Sie nimmt die Wärme aus der Luft des Raums, in dem sie steht, oder aus angesaugter Außenluft. Daraus folgen ein paar praktische Punkte:
- Der Aufstellraum kühlt ab und wird trockener. In einem Heizraum, einer Waschküche oder einem Keller mit Abwärme ist das oft sogar willkommen. In einem kalten, unbeheizten Raum arbeitet das Gerät dagegen weniger effizient.
- Platz und Höhe zählen. Die Geräte sind höher als ein klassischer Wandboiler und brauchen ein wenig Luft rundherum. Miss vorher nach.
- Sie ist hörbar. Ein leiser Ventilator läuft mit. Im Keller stört das selten, neben dem Schlafzimmer schon eher.
- Hygiene bleibt ein Thema. Wie bei jedem Speicher sollte das Wasser regelmäßig ausreichend heiß werden. Lass dir zeigen, wie das Gerät das regelt.
Und wenn ohnehin eine Heizungs-Wärmepumpe kommt?
Dann ist die Frage meist schnell beantwortet. Eine Heizungs-Wärmepumpe übernimmt in der Regel auch das Warmwasser über einen eigenen Speicher. Ein zusätzliches Gerät braucht es dann nur in Sonderfällen, etwa wenn das Bad weit von der Heizung entfernt liegt. Steht der Heizungstausch in den nächsten ein, zwei Jahren an, plane das Warmwasser gleich mit, statt jetzt einen neuen Elektroboiler zu kaufen.
PV-Strom in den Boiler: gute Idee mit Grenzen
Viele PV-Besitzer heizen im Sommer den Boiler mit dem eigenen Überschuss. Das ist sinnvoll, solange die Sonne scheint. klimaaktiv nennt dazu eine anschauliche Größenordnung: An einem durchschnittlichen Dezembertag liefert jedes Kilowatt PV-Leistung rund eine Kilowattstunde Strom, im Sommer etwa sechsmal so viel. Im Winter reicht der Eigenstrom also kaum, und der Boiler hängt wieder am teuren Netzstrom.
Eine Warmwasser-Wärmepumpe macht aus derselben Menge PV-Strom ein Vielfaches an Warmwasser. Damit kommst du auch in der Übergangszeit länger mit dem eigenen Strom aus. Eine thermische Solaranlage wiederum kann das Warmwasser laut klimaaktiv im Sommerhalbjahr fast vollständig übernehmen.
Was du konkret tun kannst
- Verbrauch abschätzen. Schau auf der Stromrechnung oder mit einem Zwischenzähler nach, wie viel der Boiler im Jahr braucht. Erst dann lässt sich die Ersparnis ehrlich rechnen.
- Aufstellort prüfen. Gibt es einen Raum mit etwas Abwärme und genug Höhe?
- Heizungstausch mitdenken. Wer in absehbarer Zeit auf eine Wärmepumpe umsteigt, plant Heizung und Warmwasser gemeinsam. Eine erste Kostenschätzung liefert unser Rechner.
- Förderung klären. Ob und wie Warmwasser-Wärmepumpe oder Solaranlage in deinem Bundesland gefördert werden, zeigt dir unser Förder-Manager.
Unsere Einschätzung
Der Elektroboiler ist billig in der Anschaffung, aber auf Dauer die teuerste Art, Wasser warm zu machen. Steht ohnehin ein Tausch an, ist die Warmwasser-Wärmepumpe in den meisten Häusern die bessere Wahl, mit PV am Dach umso mehr. Kommt bald eine Heizungs-Wärmepumpe, spar dir das Zwischengerät und plane beides zusammen.
Du willst wissen, was in deinem Haus passt? Stell deine Anfrage, und wir vermitteln dir Fachbetriebe aus deiner Region.
AO
Dieser Beitrag ordnet ein Thema ein, über das gerade viele sprechen. Er gibt unsere Einschätzung wieder und ist keine Nachricht. Wir denken das Thema weiter und ergänzen den Beitrag, wenn sich etwas Neues ergibt.
Quellen
- klimaaktiv: Die richtige Heizung. Ein Ratgeber für Hausbesitzer (2024) — abgerufen am 29. Oktober 2026
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