Wärmepumpe im Neubau: früh planen, klein auslegen
Im Neubau ist die Wärmepumpe in Österreich längst üblich: Laut laerminfo.at, einer Plattform des Umweltministeriums, waren schon 2018 rund 58 Prozent der Wärmeerzeuger in neuen Wohngebäuden Wärmepumpen. Dazu kommt ein rechtlicher Grund: Nach dem Erneuerbare-Wärme-Gesetz, in Kraft seit 29. Februar 2024, dürfen in neuen Gebäuden laut Unternehmensserviceportal des Bundes keine Wärmeanlagen mehr errichtet werden, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden können. Das betrifft auch dezentrale Gasgeräte.
Die Frage ist im Neubau also selten „ob“, sondern „wie“. Und genau da passieren die typischen Fehler: zu spät eingeplant, zu groß ausgelegt, Aufstellort vergessen.
Warum der Neubau so gut passt
Ein neues Haus hat eine kleine Heizlast und kann von Anfang an mit einer Flächenheizung geplant werden. Beides spielt der Wärmepumpe in die Hände. klimaaktiv bezeichnet Wärmepumpen vor allem im Niedrigenergie- und Passivhaus als umweltschonendes und kostengünstiges Heizsystem.
Der Schlüssel ist die niedrige Vorlauftemperatur. Laut klimaaktiv senkt jedes Grad weniger den Stromverbrauch der Wärmepumpe um etwa 2 bis 2,5 Prozent pro Jahr. Eine Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung gibt Wärme über große Flächen ab und kommt deshalb mit deutlich weniger Temperatur aus als Heizkörper. Warum das so wichtig ist, erklärt der Beitrag Vorlauftemperatur.
Kleine Heizlast, kleines Gerät
Auch im Neubau ist Überdimensionierung ein typischer Planungsfehler. klimaaktiv weist darauf hin, dass Heizungsanlagen häufig zu groß ausgelegt werden, was Lebensdauer und Effizienz der Wärmepumpe schadet. Die Heizlast soll nach der gültigen Norm berechnet werden, nicht nach Erfahrungswerten.
Bei einem gut gedämmten Haus kann die nötige Leistung überraschend klein sein. Wichtig ist, dass die Berechnung auf dem tatsächlichen Bauplan beruht: Fensterflächen, Dämmstärken, Luftdichtheit. klimaaktiv nennt für den Neubau ausdrücklich eine gute Ausführung, die Gebäudedichtheit, die Vermeidung von Wärmebrücken und den richtigen Fenstereinbau. Eine erste Orientierung gibt der Heizlast-Rechner.
Warum du die Wärmepumpe früh einplanen solltest
Im Neubau fallen viele Entscheidungen, lange bevor der Installateur auf die Baustelle kommt. Einige davon betreffen die Wärmepumpe direkt:
- Aufstellort des Außengeräts. Er sollte schon im Einreichplan stehen. Später fehlt oft der Platz, oder das Gerät landet in einer Ecke, die akustisch ungünstig ist.
- Abstand zu den Nachbarn. Laut einem Informationsblatt von Umweltbundesamt und Umweltministerium (Forum Schall) ist an der Grundstücksgrenze zu Bauland-Wohngebiet in der Nacht ein Zielwert von 30 dB anzustreben, vor den Fenstern von Aufenthaltsräumen 25 dB. Eine Aufstellung an der vom Nachbarn abgewandten Seite kann laut Informationsblatt 5 bis 20 dB Minderung bringen. Mit dem Schallrechner kannst du Varianten vergleichen.
- Wärmequelle. Für Erdsonden oder Flächenkollektoren muss die Fläche vor dem Bau der Außenanlagen erschlossen werden. Was zu deinem Grundstück passt, vergleicht der Ratgeber Luft oder Erdwärme.
- Technikraum. Speicher, Hydraulik und eventuell ein Innengerät brauchen Platz und Zugang für die Wartung.
- Leitungswege und Fundament. Kernbohrungen, Leerrohre und das Fundament für das Außengerät gehören in die Rohbauplanung.
- Genehmigungen. klimaaktiv rät, die rechtlichen Rahmenbedingungen und nötigen Genehmigungen vor der Systementscheidung zu klären. Mehr dazu unter Genehmigung.
Photovoltaik dazu planen
Wärmepumpe und Photovoltaik passen laut klimaaktiv sehr gut zusammen. Zwar ist der Stromertrag in November, Dezember und Jänner gering, übers Jahr gerechnet lässt sich aber ein wesentlicher Teil des Wärmepumpenstroms am eigenen Dach erzeugen. Für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe nennt klimaaktiv wirtschaftliche PV-Anlagengrößen von 5 bis 10 kWp, was etwa 25 bis 55 Quadratmetern Fläche entspricht.
Den Eigenverbrauch kannst du laut klimaaktiv schon mit einfachen Regelungsmaßnahmen erhöhen, zum Beispiel indem das Warmwasser bevorzugt am frühen Nachmittag bereitet wird.
Für den Neubau heißt das: Dachausrichtung, Dachfläche und Leitungsweg zum Technikraum gleich mitplanen, auch wenn die PV-Anlage erst später kommt.
Kühlen im Sommer
Neue, gut gedämmte Häuser können im Sommer überhitzen. Eine Wärmepumpe kann hier helfen, je nach Wärmequelle unterschiedlich:
- Erdwärme und Grundwasser: Laut klimaaktiv ist sanfte Kühlung möglich, ohne dass die Wärmepumpe selbst in Betrieb gehen muss. Die Kälte aus Erdreich oder Grundwasser wird dabei über die Flächenheizung ins Haus gebracht.
- Luftwärmepumpe: Eine Temperierung ist laut klimaaktiv nur möglich, wenn der Verdichter der Wärmepumpe läuft.
Wenn du kühlen willst, sag das früh: Flächenheizung, Regelung und Schutz vor Kondenswasser müssen darauf ausgelegt sein. Und die beste Kühlung bleibt der Sonnenschutz außen an den Fenstern.
Checkliste für die Planungsphase
- Ist der Aufstellort des Außengeräts im Plan eingezeichnet, mit Abstand zur Grundstücksgrenze?
- Liegt eine Heizlastberechnung nach Norm auf Basis des Bauplans vor?
- Auf welche Vorlauftemperatur ist die Flächenheizung ausgelegt?
- Soll im Sommer gekühlt werden, und ist die Anlage dafür geplant?
- Sind Dach und Leitungswege für eine PV-Anlage vorbereitet?
- Gibt es einen Technikraum mit genug Platz?
- Sind Zähler für Wärmemenge und Strom vorgesehen? klimaaktiv empfiehlt sie, damit die Effizienz der Anlage sichtbar wird.
Förderungen für den Neubau unterscheiden sich je nach Bundesland. Den aktuellen Stand findest du in der Förderübersicht und im Förder-Manager.
Dein nächster Schritt
Hol den Wärmepumpen-Betrieb ins Boot, sobald der Einreichplan steht, nicht erst, wenn der Rohbau fertig ist. Über unsere Anfrage bekommst du Angebote von höchstens drei geprüften Betrieben. Leg den Plan und, wenn vorhanden, den Energieausweis bei: Damit lässt sich die Anlage von Anfang an passend auslegen.
- Flache Kurve, typisch für Fußboden- oder Wandheizung: wenig Vorlauftemperatur auch bei Frost.
- Steile Kurve, typisch für Heizkörper: Bei Kälte braucht es deutlich mehr Vorlauftemperatur.
- Je flacher und tiefer die Kurve, desto sparsamer läuft die Wärmepumpe.
AO
Quellen
- Unternehmensserviceportal (USP) — Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG) — abgerufen am 4. Oktober 2026
- klimaaktiv — So läuft Ihre Wärmepumpe rund. Tipps für die Planung und Installation (PDF, 2024) — abgerufen am 4. Oktober 2026
- klimaaktiv — Wärmepumpe (Heizung tauschen, zukunftsfittes Haus) — abgerufen am 4. Oktober 2026
- Forum Schall (Umweltbundesamt/Lebensministerium) — Informationsblatt zum Lärmschutz im Nachbarschaftsbereich von Luftwärmepumpen (PDF, 2013) — abgerufen am 4. Oktober 2026
- laerminfo.at (Umweltministerium) — Lärmregelungen zu Luftwärmepumpen — abgerufen am 4. Oktober 2026
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