Fernwärme oder eigene Wärmepumpe: wer hat später noch die Wahl?
Wer in der Stadt oder in einem Ort mit Wärmenetz aus dem Gas aussteigen will, bekommt oft denselben Rat: Schließ dich an die Fernwärme an. Viele fragen sich trotzdem, ob eine eigene Wärmepumpe nicht die bessere Lösung wäre. Die Frage ist gerade besonders aktuell, weil über schwer durchschaubare Fernwärmepreise berichtet wird und die Bundesförderung ab November wieder Anträge annimmt.
Die kurze Antwort
Beides kann passen. Fernwärme ist bequem, braucht im Haus wenig Platz und kaum eigene Technik. Der entscheidende Unterschied liegt aber woanders: Frei wählen kannst du nur einmal, vor dem Anschluss. Danach gibt es im Netz keinen zweiten Anbieter. Mit einer eigenen Wärmepumpe kaufst du dagegen Strom am offenen Markt und kannst den Lieferanten jederzeit wechseln. Wer die Wahl hat, sollte sie deshalb bewusst und mit Zahlen treffen, nicht aus Gewohnheit.
Was die Wettbewerbsbehörde festgestellt hat
Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hat den österreichischen Fernwärmemarkt rund zwei Jahre lang untersucht und im September 2026 ihren Endbericht veröffentlicht. Einige Ergebnisse betreffen jeden, der vor dieser Entscheidung steht:
- Verbreitung: Etwa jeder dritte Haushalt in Österreich wird mit Fernwärme beheizt.
- Monopol im Netz: Jedes Fernwärmenetz hat genau einen Versorger. Den Anbieter zu wechseln ist nicht möglich, und der Umstieg auf ein anderes Heizsystem wird laut Bericht durch lange Mindestlaufzeiten und Gebühren beim Ausstieg erschwert. Hohe Anschlusskosten verstärken diese Bindung.
- Keine Aufsicht wie bei Strom und Gas: Es gibt keinen einheitlichen Rechtsrahmen für Fernwärme, keine eigene Regulierungsbehörde und keine zentrale Schlichtungsstelle für Streitfälle.
- Preise: Die durchschnittlichen Erlöse der Branche lagen 2019 bis 2021 zwischen 7 und 9 Cent je Kilowattstunde. In den beiden Krisenjahren 2022 und 2023 kamen 4 bis 5 Cent dazu. Die Kosten der Versorger sind laut BWB ähnlich stark gestiegen; Hinweise auf missbräuchliche Preiserhöhungen hat die Behörde nicht gefunden.
- Große Unterschiede zwischen Netzen: Für ein Einfamilienhaus mit 22.500 kWh Jahresverbrauch konnten sich 2023 zwischen zwei vergleichbar großen Versorgungsgebieten Unterschiede von mehr als 1.400 Euro im Jahr ergeben.
- Gas bleibt im Spiel: 2024 kamen rund 44 % der eingespeisten Fernwärme aus Erdgas, gefolgt von Biomasse mit rund 29 %. Wer mit dem Anschluss vom Gas wegwill, ist es also nicht in jedem Netz vollständig.
Die BWB empfiehlt unter anderem, auf Anschlusszwänge zu verzichten, den Wettbewerb zwischen Fernwärme und anderen Heizformen zu stärken, eine Schlichtungsstelle einzurichten und Mindestangaben für Tarifblätter, Verträge und Rechnungen festzulegen, wie es sie bei Strom und Gas gibt. Umgesetzt ist davon bisher nichts.
Wie die Förderung die Entscheidung beeinflusst
Auch die Bundesförderung setzt Fernwärme an die erste Stelle. Bei der Neuauflage des Kesseltauschs, für die du dich ab 2. November 2026 registrieren kannst, wird vorrangig der Anschluss an ein klimafreundliches oder hocheffizientes Wärmenetz gefördert. Eine Wärmepumpe bekommt die Förderung nur, wenn ein solcher Anschluss technisch nicht geht oder sich wirtschaftlich nicht zumuten lässt. Das Informationsblatt legt dafür eine klare Grenze fest: Die Investition in die Wärmepumpe muss um mindestens 25 % niedriger sein als die Kosten für den Fernwärmeanschluss. Verglichen werden also nur die Anschaffungskosten, nicht die Heizkosten der folgenden Jahre. Die Pauschale beträgt 4.000 Euro für den Fernwärmeanschluss und 5.000 Euro für die Wärmepumpe.
Genau solche indirekten Vorgaben über Förderungen sieht die BWB kritisch: Sie empfiehlt, Anschlusszwänge auch dann abzulehnen, wenn sie über die Gestaltung von Förderprogrammen entstehen.
Unsere Einschätzung
Fernwärme ist eine gute Lösung, wo das Netz schon vor der Tür liegt, die Wärme überwiegend aus Abwärme oder erneuerbaren Quellen kommt und der Versorger offenlegt, wie sich der Preis zusammensetzt. In dicht verbauten Mehrparteienhäusern, in denen kein Außengerät Platz hat, ist sie oft die praktischere Wahl.
Im Einfamilienhaus spricht aus unserer Sicht viel für die eigene Wärmepumpe. Du entscheidest selbst über Gerät, Stromtarif und Betrieb, kannst einen Teil des Stroms mit einer PV-Anlage selbst erzeugen und hängst nicht an einem einzigen Lieferanten. Dafür zahlst du am Anfang mehr und trägst selbst die Verantwortung für Planung und Wartung. Ehrlich gesagt: Eine schlecht geplante Wärmepumpe kann teurer kommen als ein faires Fernwärmeangebot. Deshalb lohnt der Vergleich.
Was du konkret tun kannst
- Schriftliches Angebot vom Fernwärmeversorger verlangen, mit Anschlusskosten, Grund- oder Leistungspreis, Arbeitspreis und Messpreis. Frag, an welchen Index Preisänderungen gekoppelt sind.
- Vertragsbedingungen klären: Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist und was ein späterer Ausstieg kostet.
- Nach der Wärmequelle fragen: Wie hoch ist der Gasanteil im Netz, und gibt es einen Plan, ihn zu senken?
- Parallel ein Wärmepumpen-Angebot mit Heizlastberechnung einholen. Wegen der 25-Prozent-Grenze entscheidet der Vergleich der Investitionskosten auch darüber, ob die Wärmepumpe gefördert wird.
- Laufende Kosten über viele Jahre vergleichen, nicht nur den Anschaffungspreis. Dafür kannst du unseren Wärmepumpen-Rechner nutzen. Was dein Bundesland zusätzlich fördert, findest du unter Förderungen.
- Bei der Gemeinde nachfragen, ob für dein Grundstück ein Vorranggebiet oder eine Anschlusspflicht für Fernwärme gilt.
Wenn du wissen willst, was eine Wärmepumpe in deinem Haus kosten würde, kannst du über unsere Anfrage Angebote von Fachbetrieben einholen und sie dem Fernwärmeangebot gegenüberstellen.
AO
Dieser Beitrag ordnet ein Thema ein, über das gerade viele sprechen. Er gibt unsere Einschätzung wieder und ist keine Nachricht. Wir denken das Thema weiter und ergänzen den Beitrag, wenn sich etwas Neues ergibt.
Quellen
- Bundeswettbewerbsbehörde: Branchenuntersuchung Fernwärme (Endbericht, September 2026) — abgerufen am 19. Oktober 2026
- Sanierungsoffensive: Informationsblatt Kesseltausch 2026, Ein-/Zweifamilienhaus (Version 10/2026) — abgerufen am 19. Oktober 2026
- Salzburger Nachrichten: Rätselhafte Fernwärmepreise — abgerufen am 19. Oktober 2026
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