Floater oder Fixpreis: Welcher Stromtarif passt zur Wärmepumpe?
Mit einer Wärmepumpe kaufst du deutlich mehr Strom als vorher, und der größte Teil davon fällt in die Heizsaison. Damit stellt sich eine Frage: Nehme ich einen Tarif, dessen Preis sich jeden Monat ändert, oder lege ich mich auf einen fixen Preis fest? Eine Antwort, die für alle passt, gibt es nicht. Es hängt davon ab, wie viel Schwankung du dir leisten kannst und willst. Mit ein paar klaren Kriterien lässt sich die Entscheidung aber gut treffen.
So unterscheiden sich die Modelle
Beim Floater hängt der Energiepreis über eine Formel an einem Index, zum Beispiel am Österreichischen Strompreisindex ÖSPI. Laut E-Control wird er in festen Abständen automatisch neu festgesetzt, etwa monatlich oder quartalsweise. Fällt der Großhandelspreis, zahlst du weniger, steigt er, zahlst du mehr. Widersprechen kannst du so einer Anpassung nicht. Dafür darf der Anbieter dich beim Floater nicht an eine Mindestlaufzeit binden. Manche Floater haben einen Cap, also eine Obergrenze, über die der Preis nicht steigen kann.
Spot-Tarife gehen einen Schritt weiter. Dort wird der Börsenpreis täglich oder stündlich weitergegeben, Voraussetzung ist ein Smart Meter.
Beim Fixpreis mit Preisgarantie bleibt der Energiepreis für einen vereinbarten Zeitraum gleich, zum Beispiel 12 Monate. Sinkende Marktpreise bekommst du in dieser Zeit allerdings auch nicht. Eine Preisgarantie ist nicht dasselbe wie eine Bindung. Eine Bindefrist darf laut E-Control höchstens ein Jahr dauern, die Kündigungsfrist höchstens zwei Wochen.
Warum die Wärmepumpe die Rechnung verschiebt
Strom ist am Großhandel im Winter tendenziell teurer als im Sommer. Ein Hinweis darauf sind die Terminmarktpreise, die die E-Control jedes Quartal auswertet: Am 28. September 2026 lag der Grundlast-Future für das erste Quartal 2027 bei 187,48 Euro pro MWh, jener für das zweite Quartal 2027 bei 111,49 Euro pro MWh. Das sind Großhandelspreise, keine Endkundenpreise, und keine Prognose, die sicher eintritt. Das Muster ist aber klar. Ein Floater, der im Mai günstig aussieht, kann im Jänner deutlich mehr kosten, und im Jänner läuft deine Wärmepumpe am meisten.
Ein zweiter Punkt wird oft übersehen. Der Index bewegt nur den Energieanteil. Laut Österreichischer Energieagentur macht dieser beim Endkunden rund 45 % des Gesamtpreises aus, der Rest sind Netzgebühren, Steuern und Abgaben. Ausschläge am Markt kommen also abgeschwächt auf der Rechnung an, nach oben wie nach unten. Zur aktuellen Richtung: Der ÖSPI für Oktober 2026 liegt um 3,8 % über dem Vormonat und um 10,7 % über Oktober 2025.
PV-Anlage und neue Netzentgelte
Mit Photovoltaik deckst du im Sommer einen Teil deines Bedarfs selbst, im Winter nur wenig. Der Strom, den du zukaufst, konzentriert sich also noch stärker auf die teuren Monate. Für dich zählt deshalb weniger der Jahresschnitt eines Floaters, sondern was er zwischen November und Februar kostet.
Unabhängig vom Liefertarif ändern sich die Netzentgelte. Seit 1. April 2026 ist der Arbeitspreis im Netzentgelt für Haushalte von April bis September zwischen 10 und 16 Uhr um 20 % reduziert, das nennt sich SNAP. Für die Zeit ab 1. Jänner 2027 hat die E-Control einen Entwurf für neue Netzentgelte vorgelegt, Stellungnahmen waren bis 24. Juli 2026 möglich. Der Entwurf sieht unter anderem einen günstigeren Winter-Nieder-Arbeitspreis vor, gültig von 1. Oktober bis 31. März zwischen 22 und 4 Uhr. Eine Wärmepumpe mit Pufferspeicher könnte davon profitieren.
Wer schon einen eigenen unterbrechbaren Zählpunkt für die Wärmepumpe hat, sollte Folgendes wissen: Diese Tarifform wurde laut E-Control unter anderem für Wärmepumpen genutzt. Nach dem Entwurf sollen solche Anschlüsse ab 1. Jänner 2030 ins reguläre Netzentgelt wechseln, als Nachfolger ist ein Modell für flexible Entnahme vorgesehen. Beschlossen ist das noch nicht, bau deshalb vorerst nichts um.
Welcher Typ bist du?
Ein Floater kann zu dir passen, wenn
- du Monate mit spürbar höheren Kosten finanziell locker wegsteckst,
- du die Indexentwicklung verfolgst und bereit bist, rasch zu wechseln,
- dein Haus gut gedämmt ist und die Wärmepumpe vergleichsweise wenig Strom braucht,
- der Tarif einen Cap hat, der das Risiko nach oben begrenzt.
Ein Fixpreis passt eher, wenn
- du planbare Teilbeträge willst und eine große Nachzahlung dich treffen würde,
- dein Verbrauch hoch ist, etwa in einem älteren, wenig sanierten Haus,
- du dich nicht jeden Monat mit Strompreisen beschäftigen möchtest.
Die Arbeiterkammer Oberösterreich nennt Float- und Spot-Tarife ausdrücklich als mögliche Ursache hoher Jahresnachzahlungen. Im März 2026 hat sie zu einer Preisbindung geraten, für alle, die steigende Preise über den Winter ausschließen wollen. Das ist eine Frage des Risikoappetits, keine Frage von richtig oder falsch.
Was du konkret tun kannst
- Schau auf deiner letzten Jahresabrechnung nach, wie viel Strom du verbrauchst, und wenn möglich im Portal deines Netzbetreibers, wie er sich über die Monate verteilt.
- Vergleich im Tarifkalkulator der E-Control Fixpreis- und Floater-Angebote mit deinem echten Verbrauch. Achte auf Dauer der Preisgarantie, Bindefrist, Cap und Neukundenrabatte, die nach dem ersten Jahr wegfallen.
- Notier dir, wann Preisgarantie und Rabatt enden, und vergleich kurz davor neu.
- Beim Floater: Lass die Teilbeträge so ansetzen, dass die Wintermonate gedeckt sind, dann bleibt die Nachzahlung klein.
- Wenn du erst planst: Eine sauber ausgelegte Anlage mit niedriger Vorlauftemperatur senkt den Verbrauch stärker als jede Tarifwahl. Mit dem Kostenvergleich siehst du, was das in Euro bedeutet.
Wenn du eine Wärmepumpe planst, bekommst du über meine-waermepumpe.at Angebote von bis zu drei geprüften Fachbetrieben, kostenlos und unverbindlich.
AO
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Quellen
- E-Control: Typen von Strom- und Gasprodukten — abgerufen am 29. September 2026
- E-Control: Laufzeit und Kündigung — abgerufen am 29. September 2026
- E-Control: Aktueller Marktpreis gemäß § 41 Abs. 1 Ökostromgesetz 2012 — abgerufen am 29. September 2026
- Österreichische Energieagentur: Österreichischer Strompreisindex ÖSPI — abgerufen am 29. September 2026
- E-Control: Sommer-Nieder-Arbeitspreis — abgerufen am 29. September 2026
- E-Control: Aktuelle Begutachtungsentwürfe — abgerufen am 29. September 2026
- E-Control: Begutachtungsentwurf Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung samt Erläuterungen — abgerufen am 29. September 2026
- E-Control: Netzentgeltstruktur 2.0, Modernisierung des Netzentgeltsystems — abgerufen am 29. September 2026
- AK Oberösterreich: Strom- und Gaspreise, Fragen und Antworten — abgerufen am 29. September 2026
- AK Oberösterreich: AK rät zu Preisbindung bei Strom und Gas — abgerufen am 29. September 2026
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